14. 03. 2017

Auf der Suche nach neuen KraftquellenLegau

Dr. med. Jochen von Wahlert hat auf dem diesjährigen Fachtag der AWO Fachkliniken Legau und Schönau einen Vortrag zum Thema "Depression" gehalten.Die Ursachen sind multifaktoriell und auch die Symptome so vielfältig wie die Menschen, die unter ihnen leiden, so Dr. Jochen von Wahlert. Die sekundäre Traumatisierung der Kinder der Nachkriegsgeneration, Bindungsstörungen, Trauma, Genetik aber auch die Folgen von vielen Medikamenten, Stress bis hin zur Zusammensetzung der Darmbakterien etc. könnten Ursachen sein.
Bei der Vergabe von Antidepressiva sind seit Jahren steigende Verkaufszahlen zu beobachten. Der Facharzt für psychosomatische Medizin merkt an, dass unabhängige Gegenstudien mit Placebo kaum signifikant besser oder schlechter wirken. Welche Langzeitwirkung die Vergabe von Antidepressiva auf unser Gehirn hat, ist für Dr. von Wahlert ebenfalls nicht ausreichend erforscht. Auch die Frage welche Erkrankung - Sucht, Depression oder ein Burnout -  zuerst aufgetreten ist, lässt sich nicht immer eindeutig beantworten.

 

08. 03. 2017

Exkursion Genuss und Abenteuer

Patienten der Psychosomatischen Privatklinik Bad Grönenbach haben eine Genusswanderung unternommen.

Ein Erfahrungsbericht von Erlebnispädagoge Mario Winkler

In den Pfützen des Regens der vergangenen 24 Stunden spiegeln sich die letzten Regenwolken über dem Ort. An einigen Stellen blitzt ein sanftes Blau des Himmel durch und verspricht den erhofft schönen Tag. Im Speisesaal beim Frühstück herrscht spürbare Vorfreude auf eine Wanderung im Allgäu unter den 15 Teilnehmern. Die Fahrt übers Allgäuer Tor eröffnet den ersten Blick in Richtung der Alpen, welche von dünnen Wolkenschleiern verhangen sind. In der Ferne ragt der Grünten als Wächter des Allgäus weithin sichtbar in den Himmel. Die Landschaft wirkt sonnenbeschienen und frisch verschneit, mit einem eigenen Zauber beruhigend, entgegen der inneren Aufregung.

An einer kleinen Kapelle beginnt die Tour in 5 cm Neuschnee, mit dem Fokus auf dem Weg anstatt auf dem Ziel. Weg von der gesellschaftlich bedingten Leistungsorientiertheit, hin zum Wahrnehmen des Genusses. Nach einer kurzen Eingehphase bietet sich die Gelegenheit, eigene Spuren im Schnee zu hinterlassen. Ein Bild, welches dank des Schnees bleibt. Kreuz und quer, ziellos mit Richtung nimmt sich jeder die Zeit, welche er braucht. In einer Spirale kommen alle wieder zusammen um mit dem Gefühl, wieder in der Gruppe angekommen und willkommen zu sein, summend weiterzuwandern. Zwitschernde Vogelstimmen werden bestimmt. Spuren von Dachs, Reh, Hase, Fuchs und Eichhörnchen entdeckt. Die Umgebung wird wahr genommen, der Weg gespürt, das Ziel verschwindet in seiner Präsenz.

Die Stimmung, welche durch den Dunstschleier im Tal und in den gegenüberliegenden Bergen der Nagelfluhkette am Horizont entsteht, strahlt eine wundervolle Magie aus. Alles wirkt auf eine geheimnisvolle Art, wie ein großes Schwarz-Weiß-Bild mit gut verborgenen farbigen Tupfern, während über der Wandergruppe die Sonne auf die noch unberührten Hänge scheint. Es klingt einfach und unbeschwert, was es in der Stimmung auch ist. Doch die oft ungewohnten Höhenmeter lassen die Schenkel spürbar werden und zeigen eigene Grenzen auf, welche wahrgenommen und berücksichtigt werden wollen. Die Spur eines Hirsches lädt zu einer entspannten Pause ein. Stille ist schwer zu beschreiben, wenn man sie nicht selber erleben durfte. Nur das Stapfen der Schritte im tiefer werdenden Schnee und ein paar Vögel sind hörbar, als die Gruppe bewusst schweigend den Winterzauber eines tief verschneiten Waldstückes genießt.

Ein letzter Schritt auf einen freien Bergrücken mit einem Gipfelkreuz und einem schönen Blick über die tiefer liegenden verschneiten Häuser unterhalb des Hauchenbergs. Der höchste Punkt wird sichtbar, Spuren anderer Wanderer mischen sich mit denen der Gruppe und zeigen den Weg zum Alpkönigblick, einem 12 Meter hohen Aussichtsturm mit tollem Blick über Voralpen, Allgäuer Alpen, Tannheimer Tal und Lechtal. Während die Ersten bereits die Stufen des Turmes erklimmen, erhoffen sich vereinzelte die versprochene Unterstützung im Umgang mit ihrer Höhenangst. Stück für Stück, Schritt für Schritt, mit wanderndem Blick werden die Grenzen zwischen Angst und Wirklichkeit wahrgenommen und verschoben. Oben angekommen arbeiten sich die Blicke mit Rücksicht auf dieses flaue Gefühl im Magen langsam aus der Ferne in die nähere Umgebung. Jedem gelingt es auf seine eigene Weise dahin zu kommen, das Sein in der Höhe bewusst zu genießen. Nach einer knappen Stunde geht es auf einem anderen Weg Richtung Abstieg. Eine Weile begleitet uns der breite abfallende Rücken des Berges, bevor wir uns im Wald südlich wenden, um den konzentrativ fordernden Weg nach unten zu meistern. So endet eine Genusswanderung mit einem Abenteuer für alle Beteiligten, wobei der Genuss auch im Nachhinein als sehr präsent zurückgemeldet wurde.

10. 01. 2017

xAusflug Kremer Farben 019Exkursion zu Kremer-Pigmente

Patienten und Mitarbeitern sind als Exkursion in das ca. 15 Kilometer entfernte Aichstetten gefahren. Ziel war die umgebaute Mühle, in der sich seit 1984 die Farbenfirma "Kremer Pigmente" befindet, die Rohstoffquelle für Künstler, Restauratoren, Schulen und Kindergärten ist. Ein Nischenlieferant für Sonderwünsche und alte Rezepturen von Farben, die im normalen Handel nicht zu erwerben sind. Hergestellt werden z. B. Originalfarben für Kirchengemälde, Pigmente für Kunstobjekte, verschiedene Mineralien und Cobaltsalze. In beeindruckender Weise wurde ein großer Teil des Angebots anschaulich präsentiert. Geschichten der Gewinnung von verfügbaren Gesteins- und Erdpigmenten, Pflanzenfarben, Farbhölzer, synthetische Pigmente, Bindemittel und diverse Rohstoffen wurden spannend erläutert.

Die Firma Kremer ist die einzige Firma weltweit, die nach einer alten Rezeptur noch das Pigment Fra-Angelico-Blau aus dem Edelstein Lapislazuli gewinnt. Genauso faszinierend ist die Veroner Grüne Erde oder Goldocker von der Insel Elba und viele weitere Rohmaterialien (Steine und Glas) die zur Pigmentherstellung verwendet werden. Bei der Führung konnten überdimensionale Mörser, elektrische Kugelmühlen, Schüttelsiebe für die verschiedenen Feinsiebungen, Laborküche, Lager und Versand in Augenschein genommen werden. Die bescheidene Ausrüstung, die handwerkliche, individuelle Note und der Idealismus verdient Anerkennung und hat bei den Besuchern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

25. 11. 2016

Glaube, Liebe, Hoffnung

Am 24.11.2016 hat Dr. Jochen von Wahlert auf dem Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) seine neueste Veröffentlichung zum Thema Spiritualität in der Psychotherapie vorgestellt. Anlass für die Veröffentlichung ist, dass viele Menschen in der Krise mit Fragen nach dem Sinn ("Wozu?"), mit Schuld ("Warum?") oder mit dem Ängsten vor oder der Sehnsucht nach dem Tod ("Wohin?") konfrontiert werden. Da viele Menschen die Bindung zur Kirche verloren haben, wenden sie sich an Psychotherapeuten als "moderne Seelsorger", die oft auch die spirituellen Fragen aufgreifen. Allerdings ist es oft gar nicht möglich, zu unterscheiden, welche Symptome einer Depression zuzuordnen und was die Fragen einer spirituellen Krise sind. Gut erforscht ist, dass Spiritualität, wenn sie den Menschen als persönliche Einstellung zur Verfügung steht, eine kräftige Ressource darstellt, mit der sich manche Krise gut meistern lässt. Außerdem gibt es spirituelle Interventionen in der Psychotherapie (gemeinsames Beten, Vergebungsarbeit etc.), die den Heilungsprozess unterstützen. In einer Untersuchung gaben zwei Drittel aller Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen an, dass sie Religiosität und Spiritualität für geeignete Coping-Strategien ansehen. Trotzdem sind spirituelle Themen in der wissenschaftlichen Community eher verpönt oder spielen ein sehr untergeordnete Rolle. Mit der Veröffentlichung möchte Dr. von Wahlert die Diskussion um spirituelle Themen in der Psychotherapie anregen. Wenn mit Spiritualität praktiziert wird und sie ein Wirkfaktor in der Behandlung darstellt, dann sollte dies nicht unter der Hand geschehen, sondern diskutiert und erforscht werden. Nur so lassen sich Orientierungspunkte für einen ethischen Standard in der Behandlung finden und es kann den Rücken der Kollegen stärken, sich zum Wohle der Patientinnen und Patienten unbefangener mit der eigenen Praxis auseinander zu setzen.

25. 11. 2016

Gesund bleiben im Lehrerberuf

Am 21.11.2016 hat Dr. Jochen von Wahlert mit einem Vortrag über Live-Balance und psychische Gesundheit den Lehrgang "Gesund bleiben im Lehrerberuf" der Regierung von Schwaben in Roßhaupten eröffnet. Als Ärztlicher Direktor der Psychosomatischen Privatklinik Bad Grönenbach berichtete er aus über dreißig Jahren Erfahrung in der Behandlung von Lehrerinnen und Lehrern berichten. Lehrergesundheit ist seit Jahren ein hochaktuelles Thema, da die emotionalen Belastungen mit oft aggressiven oder unaufmerksamen Kindern in Verbindung mit zunehmenden fachlichen Anforderungen die gesundheitlichen Grenzen überfordert. Kommen soziale Belastungen im Kollegenkreis, mit dem Vorgesetzten oder im privaten Umfeld dazu, übersteigt es die Grenzen und führt zu einem Erschöpfungssyndrom, Burnout oder einer psychischen Erkrankung. Im Vortrag wurde das Konzept von Resilienz (Widerstandsfähigkeit) vorgestellt und ein neues Verständnis von psychischer Gesundheit erklärt, die als Fähigkeit beschrieben werden kann, mit Krisen, Problemen oder Schwierigkeiten konstruktiv umzugehen. Gesund ist also, wer sich in Schwierigkeiten zu helfen weiß oder Hilfe organisieren kann. Die eigene Handlungsfähigkeit zusammen mit der Erfahrung von Selbstwirksamkeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Selbstwirksamkeit ist eine der Grundlagen für ein gesundes Selbstvertrauen. Die Bedeutung von sozialer Unterstützung, guten Beziehungen und einem stabilen sozialen Netzwerk wurde als entscheidender Faktor für die Bewältigung von psychischen Anforderungen diskutiert. Ausgrenzung erzeugt Schmerz und das wiederum wandelt sich bei vielen Menschen (auch bei vielen Kindern) in Aggression. Wichtig ist aber, einen Umgang mit der eigenen emotionalen Reaktion zu finden. Für kreative Lösungen hilft es, immer wieder innerlich einen Schritt zurück zu treten und die Situation von einer anderen Perspektive aus anzuschauen. Eine große Unterstützung dabei sind sogenannte kollegiale Gruppen, in denen zum Teil unter Anleitung über die schwierigen Situationen des Berufsalltags gesprochen wird. Eine kollegiale Unterstützung hilft enorm, sich einen inneren Schutz zuzulegen und mit einer größeren Gelassenheit aber vielleicht auch mit selbstbewussterem Engagement die Arbeit anzugehen. Weiterhin wurde die Bedeutung von Musik, Bewegung, Entspannung, Freundschaften und Engagement für die eigenen Interessen betont. Nach dem Vortrag wurde noch ausführlich diskutiert, bevor die Lehrer und Lehrerinnen sich auf den Weg zur Nordic Walking Einheit am Forgensee aufmachten.