11. 04. 2016

Geschäftsführung BadGroenenbachPsychosomatische Privatklinik Grönenbach eröffnet

Seit Freitag, den 8. April 2016 ist die Psychosomatische Privatklinik Bad Grönenbach offiziell eröffnet. Im Rahmen einer festlichen Veranstaltung hat die neue Klinik, die Dr. Jochen von Wahlert gemeinsam mit den Heiligenfeld Kliniken führt, nach monatelangen Renovierungs- und Umbaumaßnahmen ihre Türen geöffnet. Pünktlich zum lange vorab geplanten Termin fanden sich rund 150 geladene Gäste – darunter der Bürgermeister von Bad Grönenbach, Bernhard Kerler, sowie der stellvertretende Landrat, Dr. Stephan Winter – in der Klinik ein, um diesen Anlass gemeinsam zu feiern.

Den Auftakt machte der Ärztliche Direktor und Geschäftsführer der Klinik, Dr. Jochen von Wahlert. Zusammen mit dem Oberarzt der neuen Klinik, Dieter Müller, bot er zunächst ein musikalisches Stück aus Klavier und Saxophon dar. Nicht ganz ohne Grund, wie sich später zeigte. Denn in seiner Eröffnungsrede kam er auf die Musik als ein sehr gutes Mittel in der psychotherapeutischen Behandlung zu sprechen. „Musik öffnet den Zugang zur eigenen Kraft und wirkt sich zudem förderlich auf das Immunsystem aus“, so von Wahlert. Laut dem ärztlichen Leiter kommt dem eigenen Körper dabei in der Therapie eine besonders wichtige Aufgabe zu, da er maßgeblich dazu beitrage, sich wieder selbst zu spüren.

Der Sprecher und Geschäftsführer der Heiligenfeld Kliniken, Dr. Joachim Galuska, brachte in seiner Ansprache die große Freude über die neue psychosomatische Klinik zum Ausdruck, die ebenso wie die Heiligenfeld Kliniken – mit einer erfolgreichen Historie von mehr als 25 Jahren – ein ganzheitliches Unternehmenskonzept mit einer Balance aus materiellen und immateriellen Werten verfolgen wird. Mit den Worten „Ich wünsche allen, die kommen, dass sie hier ein heilendes Feld finden“ beendete er seinen Beitrag und übergab das Wort an Dr. Stephan Winter. Der amtierende Bürgermeister Bernhard Kerler bezeichnete die Psychosomatische Klinik Bad Grönenbach in seiner anschließenden Rede als „maßgeblichen Glücksfall für die Gemeinde“ und zeigte sich besonders erfreut darüber, dass ein Einheimischer diese leite. Laut Kerler werde es mit Jochen von Wahlert, der inzwischen seit 25 Jahren in Bad Grönenbach lebt, keinerlei Berührungsängste zwischen Einwohnern und Klinik geben. Als Zeichen der Verbundenheit des Ortes mit der neuen Klinik überreichte er schließlich ein Gemälde eines regionalen Künstlers. Bevor am Ende des offiziellen Teils der Eröffnung zwei ortsansässige Geistliche der evangelischen und katholischen Kirche die neue Klinik segneten, zeigte sich Thomas Krautheim, der Sohn des Gründerehepaars der ehemaligen Dr. Krautheim Klinik und jetzigen Psychosomatischen Privatklinik Bad Grönenbach, sichtlich bewegt darüber, dass das Erbe seiner Eltern erhalten bleibe und auch in der Zukunft fortbestehen werde. Mit einem weiteren Musikstück ging der offizielle Teil schließlich zu Ende. Nach einem Imbiss besichtigten die Gäste während einer Führung die Klinik mit ihren vier verschiedenen Häusern. Neben dem Haupthaus gehören zur Psychosomatischen Privatklinik Bad Grönenbach noch das Garten-, das Blumen- und das Doktorhaus.

 

 

 

07. 03. 2016

Fotolia 36389127 Ljd photodesignVererbter Stress?

Menschen reagieren auf Stress sehr unterschiedlich. Der eine bleibt ruhig, auch wenn um ihn herum das Chaos tobt oder eine Situation eskaliert und kann besonnen und gelassen die Probleme angehen. Andere werden schnell nervös, reagieren vielleicht ängstlich oder hektisch, je nachdem wie ihr persönliches Stressmuster gestrickt ist. Wir reagieren mal so, mal so, je nachdem wie erholt, zuversichtlich oder motiviert wir sind, wenn wir Herausforderungen begegnen. Positiver Stress kann uns beflügeln, während eine bedrohliche Situation, in der wir keine Möglichkeit sehen, sie zu bewältigen, uns lähmt oder blockiert und in der Regel sehr negative Auswirkungen hat. Die Fähigkeit, mit Stresssituationen umzugehen, hängt also u.a. von unserer aktuellen Verfassung ab. Viele Menschen, die Therapie suchen, sind stark belastet und in diesem Moment gar nicht in der Lage, gelassen und souverän zu reagieren.

Was hat Stress mit Vererbung zu tun?

Seit einigen Jahren wissen wir, dass Belastungen und negative Stresserfahrungen
(epi-)genetische Veränderung im „stress-response-system“ (das System, das im Körper auf Stress antwortet) hervorrufen kann. Das autonome Nervensystem wird in seiner Funktionsweise dauerhaft beeinträchtigt. Durch Vererbung kann die nächste und übernächste Generation betroffen sein. Die Belastungen unserer Großeltern und Eltern können also auf genetischem Weg dazu führen, dass wir weniger gut mit Stress umgehen können. Wir reagieren schneller und stärker als andere mit Vorsicht, Angst, Unruhe oder Getriebenheit, wenn eine reale oder vermeintliche Bedrohung auftritt. So können z.B. die extrem traumatischen Erfahrungen der beiden Weltkriege noch heute bei Kindern und Enkeln der Betroffenen physiologische und psychische Folgen zeigen. Befunde, die in vielen systemischen Familientherapien seit Jahren erhoben werden, erscheinen durch die neuere Forschung biologisch nachvollziehbar und plausibel. Wenn Eltern traumatisiert sind, kann zudem ihr Bindungsverhalten zu ihren Kindern in den ersten Lebensjahren beeinträchtigt sein, mit Auswirkungen auf die Bindungssicherheit der Kinder. Wenn zudem durch genetisch bedingte Veränderungen das Nervensystem beeinträchtigt ist, steigt das Risiko für eine psychische Erkrankung.

Menschen, die unter psychischen Erkrankungen leiden, fragen sich oft, woher ihre Probleme eigentlich kommen und fühlen sich persönlich verantwortlich, wenn sie nicht mehr stabil und belastungsfähig sind. Die Information zur Vererbung von Stresserfahrungen ist für viele entlastend. Wenn die gefühlte Belastung nicht nur in der eigenen Biographie entstanden ist, sondern in den Generationen davor, kann ein vertieftes Verständnis für die eigene Situation entstehen. Betroffene tragen eben gegebenenfalls nicht nur die eigene Last, sondern auch die der Eltern. Manchmal lassen sich damit die enormen Selbstzweifel entschärfen, die Menschen verfolgen, wenn sie für die psychische Erkrankung kein schlüssiges Erklärungsmodell finden und ihnen ihre eigene Lebensgeschichte unverständlich bleibt. Die Belastungen zu verarbeiten (auch die der Eltern und Großeltern), die erlittenen Schicksale abzutrauern und zu akzeptieren kann ein Weg sein, die eigene Belastungsfähigkeit und das „stress-response-system“ wieder herzustellen . Denn das ist die gute Nachricht: Alles weist darauf hin, dass positive Erfahrungen günstig auf die eigenen (Epi-)Gene wirken.