25. 11. 2016

Glaube, Liebe, Hoffnung

Am 24.11.2016 hat Dr. Jochen von Wahlert auf dem Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) seine neueste Veröffentlichung zum Thema Spiritualität in der Psychotherapie vorgestellt. Anlass für die Veröffentlichung ist, dass viele Menschen in der Krise mit Fragen nach dem Sinn ("Wozu?"), mit Schuld ("Warum?") oder mit dem Ängsten vor oder der Sehnsucht nach dem Tod ("Wohin?") konfrontiert werden. Da viele Menschen die Bindung zur Kirche verloren haben, wenden sie sich an Psychotherapeuten als "moderne Seelsorger", die oft auch die spirituellen Fragen aufgreifen. Allerdings ist es oft gar nicht möglich, zu unterscheiden, welche Symptome einer Depression zuzuordnen und was die Fragen einer spirituellen Krise sind. Gut erforscht ist, dass Spiritualität, wenn sie den Menschen als persönliche Einstellung zur Verfügung steht, eine kräftige Ressource darstellt, mit der sich manche Krise gut meistern lässt. Außerdem gibt es spirituelle Interventionen in der Psychotherapie (gemeinsames Beten, Vergebungsarbeit etc.), die den Heilungsprozess unterstützen. In einer Untersuchung gaben zwei Drittel aller Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen an, dass sie Religiosität und Spiritualität für geeignete Coping-Strategien ansehen. Trotzdem sind spirituelle Themen in der wissenschaftlichen Community eher verpönt oder spielen ein sehr untergeordnete Rolle. Mit der Veröffentlichung möchte Dr. von Wahlert die Diskussion um spirituelle Themen in der Psychotherapie anregen. Wenn mit Spiritualität praktiziert wird und sie ein Wirkfaktor in der Behandlung darstellt, dann sollte dies nicht unter der Hand geschehen, sondern diskutiert und erforscht werden. Nur so lassen sich Orientierungspunkte für einen ethischen Standard in der Behandlung finden und es kann den Rücken der Kollegen stärken, sich zum Wohle der Patientinnen und Patienten unbefangener mit der eigenen Praxis auseinander zu setzen.